Sammlungsgeschichte des 19. Jahrhunderts

So wie der Grundstock des Museums für Natur und Umwelt auf eine private Stiftung zurückgeht, ist die Geschichte des Museums geprägt von bürgerlichem Engagement. Eine Vielzahl von ausgewanderten, weltreisenden oder in der Heimat verbliebenen Lübeckern trugen die beachtlichen Sammlungen des ganzen naturkundlichen Spektrums zusammen. Ein Abbild der heimischen Flora und Fauna, Mineralien, Gesteine und Fossilien aus aller Welt, aber vor allem auch Exotisches:

Schlangen aus Malaysia, Seeigel aus Alaska, Säugetiere aus Australien, Korallen aus der Südsee oder Amphibien aus Madagaskar. Bearbeitet, betreut, gezeigt und verwaltet wurde die Schau von freiwilligen Helfern, ehrenamtlichen Vorstehern und Konservatoren der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“. Ein Museum von Bürgern für Bürger. Die Reihe derer, die in heimatlicher Umgebung oder in der ganzen Welt für das Museum gesammelt haben, ist bemerkenswert lang. In Museumsberichten und Veröffentlichungsreihen wurden sie namentlich genannt und damit ihrem Engagement ein Denkmal gesetzt.

Exemplarisch sei an dieser Stelle an bedeutende Förderer des 19. Jahrhunderts erinnert:

Jacob Behrens, Heinrich Brehmer und Hugo Storm
Jacob Behrens, ein Lübecker Kaufmann, wanderte im Jahre 1853 nach Kalifornien aus. Nicht nur, dass er hierbei seine entomologische Sammlung dem „Naturalien-Cabinett“, so die frühe Bezeichnung des Museums, überließ, sondern er sammelte auch in der fernen neuen Heimat weiter umfangreich Insekten und schickte sie nach Lübeck.

Heinrich Brehmer war Mitte des 19. Jahrhunderts in Westafrika als Kaufmann tätig. Er erwarb sich große Verdienste für die Sammlung. U. a. legte er den Grundstock für die Menschenaffen-Sammlung des späteren Naturhistorischen Museums in Lübeck.

Hugo Storm wurde in Kollegenkreisen als „Naturforscher“ bezeichnet. Als Kapitän des Dampfers „Lübeck“ in Hinterindien sammelte er in seiner Freizeit unermüdlich Exemplare der Fauna Südostasiens. Ihm verdankte die Sammlung manch einen Anziehungspunkt für das breite Publikum. Man mag sich vorstellen welch ein Aufwand das Naturaliensammeln und -versenden nach Lübeck unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts darstellte. Umso dankenswerter ist das große Engagement einer Vielzahl von Bürgern für das Museum für Bürger.

Diese Geschichte fand eine Fortsetzung im 20. Jahrhundert und schlägt einen Bogen bis in die Gegenwart. Auch wenn die „alte“ Sammlung Palmarum 1942 ein Raub der Flammen wurde, das bürgerliche Engagement war damit nicht beendet. Ohne privates Engagement wäre der Neuaufbau des heutigen Museums für Natur und Umwelt nicht möglich gewesen. Viele Freiwillige haben gesammelt, gespendet und mitgearbeitet und ebenso viele engagieren sich auch heute.