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Schildkröten aus der Urnordsee (2019)

Im obersten Mittelmiozän war die Urnordsee wesentlich wärmer als heute, sodass sich auch Schildkröten sehr wohl fühlten. Hier schwammen friedlich dahingleitende Meeres- und riesige Lederschildkröten mit den Walen. Fossile Nachweise sind in Groß Pampau bisher rar. Schaut man sich den heutigen Lebensraum dieser Schildkröten an, wird schnell klar, dass es zum einen daran liegt, dass einige Tiere im Meer mit Erfolg auch Schildkröten jagen. Beim Verspeisen der Beute sinken dann meist nur einzelne Knochen oder Panzerteile zum Meeresboden. Zum anderen werden Überreste dieser Reptilien nach einem natürlichen Tod auf offener See meist weit verstreut, da beispielsweise Aasfresser den Kadaver zerlegen und Teile davon wegzerren. Folglich kann jeder Fund als große Seltenheit gelten. 

Im Wesentlichen tauchen Fragmente des Bauchpanzers (Plastron) oder des Rückenpanzers (Carapax) auf.

Überreste einer Meeresschildkröte

Kurz vor der Weihnachtsunterbrechung 2019 begann der Raupenbagger damit, einen Entwässerungsgraben am Rand der Abbaufläche auszuheben. In einer frisch angeschnittenen Wand des Grabens entdeckte Gerhard Höpfner bräunlich-schwarze Verfärbungen, die er zunächst als spannende Überreste eines größeren Fisches deutete. Bei genauerer Untersuchung stellte sich heraus, dass hier sehr seltene Panzerreste aus dem Plastron einer Meeresschildkröte aufgetaucht waren. Die Baggerarbeiten wurden gestoppt, um die weitere Freilegung zu ermöglichen. Daraufhin konnten sowohl zusammenhängende Knochenpartien in einzelnen Tonblöcken geborgen werden, als auch diverse verstreut liegende Fragmente.

Bisher wurden die Überreste von Meeresschildkröten im norddeutschen Miozän meist der heute ausgestorbenen Meeresschildkröte Chelyopsis zugeordnet, die jedoch eher im wesentlich älteren Eozän und Oligozän zu finden ist. Möglicherweise kann die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Fundes Klarheit über eine neue und aktuellere Zuordnung bringen.

Überreste aus dem Plastron einer Meeresschildkröte. Langenfeldium von Groß Pampau. Abmessungen 1.000x500mm.

Detailausschnitt des Hyoplastrons mit gut sichtbarer, typischer Struktur von Schildkrötenknochen.

Knochenfragmente, die teilweise einzeln im Ton lagen.  
Ein Puzzle mit leider fehlenden Teilen :(

 

Frühere Funde

Panzerfragmente einer kleinen Meeresschildkröte (2018). Linie als Maßstab = 10mm.
Wieder führte ein kleines Knochenstück zu einem außergewöhnlichen Fund. Nicht nur Martin Kupsch freut sich über seine Entdeckung :)


Ausgrabung im Sommer: Heiß und staubig, aber spannend.
Martin hat ein großes Rüttelsieb gebaut, das nun zur Nachsuche im Abraum verwendet wird. Der Ton wird danach zusätzlich geschlämmt, um weitere Knochenreste zu bergen.

Fragmente u.a. aus dem Plastron (2016). Danke an Svenja Warnke für diesen seltenen Fund :)

Hüftbein einer Meeresschildkröte. Linie als Maßstab 10 mm. Herbert Moths hat diesen wunderbaren Fund dem Museum gespendet. Wir freuen uns sehr :)