Forschung
> Wissenschaftliche Sammlungen
Das Museum für Natur und Umwelt blickt auf die längste Museumsgeschichte in der Hansestadt Lübeck zurück. Die Naturaliensammlung des Lübecker Arztes und Naturforschers, Johann Julius Walbaum (1724—1794) bildete den Grundstock für den Aufbau eines Naturkundemuseums in Lübeck. 1893 wurde eigens ein prachtvoller neugotischer Museumsbau errichtet, um die stark angewachsene Sammlung der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“ angemessen auszustellen.
Leider brannten die naturkundlichen Sammlungen 1942 im Krieg aus. Bereits 1951 begann der Neuaufbau einer naturgeschichtlichen Schau- und Forschungssammlung. 1963 konnte das neue heutige Museumsgebäude eröffnet werden. Jahrzehnte nach seiner Zerstörung hat das Museum wieder einen soliden Grundstock an wissenschaftlichen Sammlungen aufgebaut. Sie umfassen Objekte der norddeutschen und Lübecker Region. Sie wurden zum überwiegenden Teil von versierten Sammlern aus Lübeck angelegt und dann dem Museum angeboten oder vererbt. Die Natur-Objekte stellen eine wichtige Dokumentation der Lebewelt dar und sind das „Gedächtnis der Welt“. Dabei sind die regionalen Lübecker Sammlungen wichtiger Teil der globalen Forschungsstruktur. Sie sind wertvoll z.B. bei Fragestellungen nach Veränderungen von Flora und Fauna.
Heute umfassen die zoologischen Sammlungen heimische Insekten (ca. 150.000 Präparate), historische Käfersammlungen (ca. 55.000 Objekte), historische Schmetterlingssammlung (ca. 7400 Objekte), Muscheln und Schnecken (38.000 Objekte), Wirbeltiere (ca. 1200 Exponate in den Ausstellungen oder magaziniert) und Skelette (darunter rezente Walskelette, z.B. Pottwal).
Im Herbar werden historische Sammlungen lokaler Sammler und damit wertvolle Dokumente aus ca. 100 Jahren aus der Norddeutschen Region bewahrt, z.B. Samenpflanzen, Farne, Moose und Flechten (ca. 75.000 Belege), Moose und Brombeeren.
Die geologischen Sammlungen umfassen Gesteine, Mineralien und Fossilien in Schausammlung und Magazin (insgesamt ca. 8500 Objekte).
Herausragende Stücke sind die Großfossilien: Fossilfunde aus Groß Pampau (drei fossile Bartenwale (davon 1 Holotypus!), Zahnwal, Hai sowie der Fund eines eiszeitlichen Riesenhirsches im Lübecker Stadtteil Schlutup.
Ein Beispiel für aktuelle Forschung:
Zur Zeit laufen Untersuchungen zu einem Miozän-Delfin aus Groß Pampau in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde / Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin
> Forschungsprojekt des ZKFL
Kulturlandschaft Dummersdorfer Ufer
Zukunftsfähige Kulturlandschaft Dummersdorfer Ufer. Auswirkungen von Klimawandel und Beweidung auf Magerrasengesellschaften – Verknüpfung von Forschung und Umweltbildung
Oda Störmer
Verständnis von Tier-Pflanze-Interaktionen sowie klimawandelbedingter Auswirkungen auf Ökosystemebene
Zur Offen- bzw. Erhaltung ökologisch wertvoller Kulturlandschaften wie dem Lübecker Naturschutzgebiet „Dummersdorfer Ufer“ dient die Beweidung der Flächen als eine bewährte Pflegemaßnahme. Um die vielschichtigen Effekte und Wechselwirkungen von Beweidung und klimawandelbedingter Veränderungen in einem Ökosystem zu verstehen, sind im Rahmen dieser Forschungsarbeit wissenschaftliche Untersuchungen vorgesehen, welche auf Ökosystemebene experimentell die Auswirkungen nachstellen.
Zukunftsfähige Kulturlandschaft
Eine zentrale Frage besteht darin, herauszufinden, welche Herausforderungen der Klimawandel in Zukunft an den Erhalt derartiger Biodiversitäts-Hotspots stellen wird. Die Forschungsergebnisse fließen dann in das zukünftige Pflegemanagementkonzept ein, um die Kulturlandschaft des Dummersdorfer Ufers nachhaltig zu schützen. Der anwendungsorientierte Forschungsansatz soll zudem eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere ökologisch wertvolle Kulturlandschaften erlauben.
Die Zukunftsfähigkeit solcher Kulturlandschaften ist neben einem nachhaltigen Pflegemanagement abhängig von der Wertschätzung durch die Gesellschaft. Daher liegt ein wesentlicher Fokus zudem auf der Ausarbeitung eines Umweltbildungskonzeptes zur erfolgreichen Vermittlung der komplexen Forschungsergebnisse im Sinne der Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BfNE).
Kooperationen:
Museum für Natur und Umwelt Hansestadt Lübeck
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum /Fachbereich Ökologie -Tierökologie und Naturschutz
Biozentrum Klein Flottbek / Fachbereich Botanik - Angewandte Pflanzenökologie
der Universität Hamburg
Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V.







